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Statement

Sonntag, 3. Juli 2016

Rede zum Tag der Franken

Der Tag der Franken ist dem Erinnern an die reiche Geschichte Frankens gewidmet. Wir wollen aber an diesem Tag nicht bloß in die ferne Vergangenheit schauen. Wir wollen nicht allein den Fränkischen Reichskreis beschwören. Wir wollen nicht nur von Markgrafen, Fürstbischöfen oder Patriziern hören. Das alles sind wichtige Aspekte der fränkischen Geschichte, aber sie ist weit reicher.

Zur fränkischen Geschichte gehört auch, was wir unter dem diesjährigen Motto behandelt wissen wollen: „Patente Franken – Fränkische Patente“. Auf den Entdecker- und Erfindergeist, auf die Pionierleistungen von Frauen und Männern wollen wir hinweisen. Wir wollen von Frauen und Männern erzählen, deren Wiege in Franken stand, aber auch von denen, die nach Franken gekommen sind und sich hier niedergelassen haben und dann hier bedeutsame Entdeckungen oder Erfindungen gemacht haben.

Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben gemeinsam mit der Stadt Hof nach solchen Persönlichkeiten gesucht, und sie haben eine Vielzahl von Geschichten ausgegraben. Es ist schon staunenswert, welche Erfinder aus Franken kamen: Levi Strauss mit der Jeans und Hans Wilsdorf mit der Rolex sind weitgehend bekannt. Auch dass nicht den Brüdern Wright, sondern dem Mittelfranken Gustav Weißkopf der erste Motorflug gelang, hat sich herumgesprochen. Aber wer kennt schon Hans Vogt, der den Tonfilm mitentwickelte? Oder Oskar Rosenfelder, der ein Papiertaschentuch namens „Tempo“ auf den Markt brachte?

Das sind nur wenige Beispiele; die Liste ist lang. Ich lade Sie herzlich ein: Betrachten Sie die Ausstellung, die die KulturServiceStelle des Bezirks Oberfranken gemeinsam mit dem Museum Bayerisches Vogtland in Hof geschaffen hat. Sie ist im Foyer der Freiheitshalle zu sehen, dort, wo nachher der Staatsempfang des Herrn Ministerpräsidenten stattfinden wird.

Mit dem Motto und mit der Ausstellung greifen wir auf, was der Bayerische Landtag 2006 beschlossen hat: Die reiche Geschichte Frankens soll Thema beim alljährigen Tag der Franken sein, doch zugleich soll (ich zitiere wörtlich) „das Bewusstsein für die Entwicklungskraft und das Innovationspotenzial Frankens“ gestärkt werden.

Bunte Trachten, traditionelle Volksmusik, die Erinnerung an längst vergangene Zeiten – all das gehört zum Tag der Franken. Ein großes Volksmusikfest hat heute hier in Hof stattgefunden; etliche Gruppen haben Sie vor der Freiheitshalle begrüßt.

Das ist uns wichtig. Wir wurzeln in der Geschichte, und daher pflegen wir ihre Spuren. Zugleich jedoch leben wir in der Gegenwart und blicken zuversichtlich in die Zukunft. Deshalb ist es ebenso wichtig, immer und immer wieder herauszustellen, dass Franken, dass die Menschen in Franken gerüstet sind für die Zukunft. Denn die wichtigste Ressource unseres Landes – nämlich der menschliche Geist, die Bereitschaft, zu neuen Ufern aufzubrechen –, diese Ressource ist hier in Franken im Übermaß vorhanden. Die Ausstellung zeigt klar, dass es dieser Region in der Vergangenheit nie an klugen Köpfen fehlte. Warum sollte das heute anders sein?

Wir Oberfranken nehmen also durch unser diesjähriges Motto den Landtagsbeschluss ernst, der den Tag der Franken ins Leben gerufen hat: Wir stärken „das Bewusstsein für die Entwicklungskraft und das Innovationspotenzial Frankens“.

Wir verwirklichen jenen Beschluss des Jahres 2006 auch in anderer Hinsicht: Der Tag soll nicht von oben her organisiert werden, sondern auf dem vielfältigen Engagement der Bevölkerung gründen. Wir wollen nicht, dass es wenige Macher und viele Konsumenten gibt. Wir wollen den Tag der Franken so gestalten, wie er gedacht ist: dass jeder sich aktiv beteiligen kann.

Alle ober-, unter- und mittelfränkischen Kommunen haben wir eingeladen, sich durch Aktionen am Tag der Franken zu beteiligen, eine ganze Woche lang, seit dem vergangenen Sonntag. Und rund 70 Gemeinden haben mitgemacht, mit fast 100 Veranstaltungen. Große Städte waren dabei wie Nürnberg und Würzburg, aber ebenfalls viele Dörfer.

Besonders gefallen hat mir, dass in etlichen Orten durch kleine Ausstellungen oder Vorträge oder Führungen der Fokus auf örtliche Erfinderpersönlichkeiten gerichtet wurde. Und es wurde ins öffentliche Bewusstsein gerufen, dass an gar nicht wenigen Orten Weltmarktführer für bestimmte Produkte sitzen. Hätten Sie gewusst, dass das Krepppapier, das Ihnen der Friseur um den Hals bindet, aus Hirschaid kommt? Oder dass der Flakon für Ihr hochwertiges Parfüm im abgelegenen Kleintettau hergestellt wurde? Etcetera, etcetera.

Ich freue mich, dass wir alle miteinander Franken als moderne, innovationsbereite, zukunftsfähige Region in der Mitte Europas dargestellt haben. Dass wir dabei Traditionen pflegen, das ist kein Widerspruch. Beides gehört zusammen. Denn in der Konkurrenz der Regionen auf unserem Kontinent werden sich am Ende diejenigen durchsetzen, die ein klares Profil haben, die wissen, woher sie kommen, und die selbstbewusst artikulieren, wofür sie stehen.

Dieser Festakt bildet den Abschluss dieser großartigen Woche. Ich freue mich, in diesem Saal so viele Persönlichkeiten vereint zu sehen, die sich in der Politik, in Behörden und Gerichten, in Vereinen und Verbänden für Franken engagieren.

[...]

Der Tag der Franken ist eine Chance. Er kann ein Tag sein, an dem Franken sich positiv präsentiert: geschichtsbewusst und zukunftsoffen. Heute schaut das Land auf Franken. Heute kann die Region beispielhaft zeigen, was sie zu bieten hat. Und welche Persönlichkeiten Franken waren oder zu Franken wurden. Kurz: dass es auch heute noch viele „patente Franken“ gibt.

Wir haben bei der Vorbereitung des Tags gespürt, dass ein Bewusstsein vorhanden ist und weiter wächst, dass wir zusammengehören in Franken, dass wir die Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam gut bestehen werden. Wir sind eine starke Region im Herzen Europas, wenn wir unsere Kräfte nur bündeln.

 

Weitere Informationen:

Die komplette Rede finden Sie hier.

 

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