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Statement

Dienstag, 4. August 2015

Wir brauchen ein neues Vergütungssystem in der Pflege

Statement zum Fachgespräch „Pflege 2015“ in Bamberg

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

der Bezirk Oberfranken ist Kostenträger in der stationären Pflege. Das nachfolgende Statement bezieht sich deshalb nur auf diesen Bereich. Seit in Kraft treten der Pflegeversicherung war das Ziel in erster Linie mehr Fachlichkeit und mehr Qualität in die stationäre Pflege zu bringen. Mehr Qualität ist nur mit mehr Personal leistbar. Den Forderungen nach mehr Personal wurde seither mit jeder Reform durch einzelne Zusatzleistungen mengenmäßig etwas nachgekommen.

Die Anforderungen an die Dokumentation wurden jedoch zeitgleich immer weiter ausgebaut. Sie haben teilweise absurde Ausmaße angenommen, ohne dass den betreuten Menschen daraus ein Vorteil entsteht. Mittlerweile haben schon Fachleute den Überblick über alle möglichen Leistungen nach dem SGB XI verloren und man arbeitet an einer Reduzierung des Aufwands gerade beim Dokumentationsumfang. Gleichzeitig wurden die Leistungen der ambulanten Pflege gegenüber den stationären Leistungen erhöht. Auch als Kommunalpolitiker fragt man sich, wo steuert der Bundesgesetzgeber hin?

Alle Beteiligten wünschen sich gemeinsam mehr Zeit und Zuwendung für die pflegebedürftigen Bewohner. Mit der Forderung nach immer weiteren Leistungen in der stationären Pflege erhöhen sich allerdings auch deren Kosten, die Ambulantisierung der Pflege wird beschleunigt. Die stationäre Pflege ist im Prinzip nicht mehr bezahlbar. Pflege muss aber bezahlbar bleiben, bei gleichzeitig hohen Qualitätsstandards. Dies darf nicht zu Lasten des Betreuungspersonals gehen.

Man muss also über alternative Pflegemodelle nachdenken, wenn man die Pflegekräfte nachhaltig entlasten will! Man muss darüber nachdenken, mehr Eigenverantwortung der Bewohner und die Möglichkeit Eigenleistungen einzubringen. Dafür wird in erster Linie ein neues Vergütungssystem von Pflegeeinrichtungen benötigt. Bisher gibt es ausschließlich die Vollversorgung. Ein neues Vergütungssystem muss Bereiche beinhalten, bei denen es den Bewohnern überlassen wird, ob sie einzelne Leistungen einkaufen. Denkbar wäre zum Beispiel die Reinigung des eigenen Zimmers oder Übernahme der Tagesbetreuung an einzelnen Tagen durch Angehörige. Dies würde auch die Leistung der Angehörigen in der stationären Pflege honorieren und fördern.

Stärkt der Gesetzgeber weiter ambulante Leistungen ohne gleichzeitig ein neues Vergütungssystem in der stationären Pflege umzusetzen, sind stationäre Pflegeeinrichtungen über kurz oder lang Auslaufmodelle. Die Forderung nach mehr Zeit in der stationären Pflege kann nur zusammen mit der Forderung nach einem neuen Vergütungssystem Erfolg haben. Wir sollten darüber diskutieren, wie dieses aussehen kann.

 

Weitere Informationen:

Homepage der Aktion

 

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